Neue Woche, neues Spiel, gleicher Ausgang: Die zwei Punkte bleiben in Möglingen. Vor 75 Zuschauern schickte die Landesligareserve der HSG die Routiniers der Handballregion Bottwar SG 4 mit 35:26 nach Hause. Erfahrung ist eben auch nur ein anderes Wort für „schon oft verloren“.
Sonntagabend, 19 Uhr, Stadionhalle in Möglingen: perfekte Voraussetzungen für einen Kracher. Während der Wasen anzapfte und ein paar Jungs dem Ruf des Hopfens erlagen, zeigte die Zwoide, dass Handball auch ohne Lederhose schäumen kann.
Die erste Halbzeit war allerdings noch nichts für Freunde der Abwehrkunst. Nach 4:1 und 10:7 kam Bottwar nach einer Auszeit zum 10:10 heran, und mit 16:15 ging es knapp in die Pause. Wer hier von Defensive sprach, hätte auch einen Gartenzaun mit Willkommensmatte als Hochsicherheitstrakt bezeichnen können.
Nach dem Seitenwechsel wurde es kurz apokalyptisch: Zeitstrafen für Frank und Dieterle, und beim 18:19 lag die Zwoide tatsächlich hinten. Dann drehte sie den Zapfhahn auf, und zwar nicht irgendeinen, sondern einen gargantuesken, sintflutartigen, alttestamentarischen Zapfhahn. Ein 9:1-Tsunami spülte die Gäste bis zum 27:20 aus der Halle. Der Schaum stand den Büffeln bis zur Halskrause, und die Tribüne bebte in ekstatischer Gelassenheit.
Und mittendrin Felix Reichardt, der sieben Mal einschlug, davon vier von vier vom Punkt: ein unerbittlicher, schier märchenhafter Vollstrecker, der keine Schaumkrone kennt, nur Volltreffer. Timon Bolloff (6) und Ole Augustin (5) schenkten derweil nach wie hochprozentige Hofschenker im Wonnemonat der Wurfgewalt. Die Büffel dagegen ließen drei Siebenmeter liegen und bewiesen damit eine so schwindelerregende, pharaonische Großzügigkeit, dass ihnen der Wanderpokal fürs Nettsein sicher ist.
Zum MVP des Abends kürte die Halle jedoch einen anderen: Außenspieler Finn Lange, den flinken, federleichten, fast schon flugbegabten Flügelflitzer. Er tauchte in der Schlussphase auf wie ein Blitz im Bierzelt, netzte zweimal eiskalt ein und schraubte das Ergebnis mit stoischer, geradezu majestätischer Gelassenheit auf 31:22 und 32:23. Wo Lange über die Außenbahn rauschte, wuchs kein Gras mehr. Steffen Eckstein traf zwar zehnmal und Cedrik Lehmann betrieb zum Schluss noch Ergebniskosmetik, aber Quentin Hieronymi setzte mit dem 35:26 den donnernden Schlussakkord.
Zwei Spiele, zwei Siege, 4:0 Punkte, die Halle in Trümmern und die Routiniers mit dem Wissen im Gepäck, dass Erfahrung nicht vor Gegentoren schützt. Danke an 75 Zuschauer, die gefühlt für ein ausverkauftes Festzelt gebrüllt haben! 🍻
Für die HSG spielten: Tim Knodel, Patrick Faisst (im Tor); Felix Reichardt (7), Timon Bolloff (6), Ole Augustin (5), Jonah Dieterle (3), Philipp Trinkaus (3), Jonas Schneider (3), Finn Lange (2), Leon Engel (2), Quentin Hieronymi (2), Tobias Kretschmer (1), Rafael Frank (1), Sebastian Schober, Daniel Baron, Anton Fendrich; Offizielle: Dominik Kellner, Philipp Naujack, Raphael Häcker
